„Darf ich das eigentlich veröffentlichen?“
Vor den drei steht ein Laptop. Auf dem Bildschirm läuft gerade der fertige KI-Song. Der KI-Creator strahlt.
KI-Creator: Fertig!
Brother Regenerate: Das ging schnell.
KI-Creator: Vier Minuten.
Sister Copyright: Vier Minuten?
KI-Creator: Na gut. Mit dem Prompt waren es sieben.
Brother Regenerate: Ein episches Produktionschaos.
KI-Creator: Egal. Der Song ist großartig. Können wir ihn jetzt veröffentlichen?
Sister Copyright: Können Sie.
KI-Creator: Super!
Sister Copyright: Ich sagte nicht, dass Sie dürfen.
KI-Creator: Was ist denn jetzt noch?
Brother Regenerate: Sie hat Fragen.
KI-Creator: Welche Fragen?
Sister Copyright: Welches KI-Tool haben Sie verwendet?
KI-Creator: Ein KI-Musiktool.
Sister Copyright: Das war nicht die Frage.
KI-Creator: Suno.
Sister Copyright: Welche Version?
KI-Creator: Die aktuelle.
Sister Copyright: Kostenlos oder bezahlt?
KI-Creator: Äh …
Brother Regenerate: Wir kommen dem Kern näher.
KI-Creator: Kostenlos.
Sister Copyright: Dann würde ich zunächst die Nutzungsbedingungen prüfen.
KI-Creator: Aber ich habe den Song doch selbst gemacht.
Sister Copyright: Sie haben ihn mit einem Dienst erzeugt.
KI-Creator: Ja.
Sister Copyright: Und dieser Dienst kann festlegen, welche Nutzungsrechte Ihnen an den erzeugten Inhalten eingeräumt werden.
KI-Creator: Moment. Ich dachte, KI macht mich unabhängig.
Brother Regenerate: Sie macht Sie unabhängig von vielen Dingen.
KI-Creator: Zum Beispiel?
Brother Regenerate: Von einem Sänger.
Sister Copyright: Nicht unbedingt.
Brother Regenerate: Von einem Studio.
Sister Copyright: Nicht unbedingt.
Brother Regenerate: Von einem Produzenten.
Sister Copyright: Auch das würde ich nicht unterschreiben.
KI-Creator: Was macht die KI dann?
Sister Copyright: Sie erzeugt Audio.
KI-Creator: Das klingt weniger revolutionär.
Sister Copyright: Revolutionen benötigen ebenfalls Rechteklärung.
KI-Creator: Gut. Also: Nutzungsbedingungen geprüft. Was noch?
Sister Copyright: Haben Sie Samples verwendet?
KI-Creator: Nein.
Sister Copyright: Fremde Vocals?
KI-Creator: Nein.
Sister Copyright: Einen bekannten Künstler im Prompt genannt?
KI-Creator: Nur als Referenz.
Sister Copyright: Wen?
KI-Creator: Das sage ich lieber nicht.
Brother Regenerate: Sehr vernünftig.
Sister Copyright: Und warum klingt der Sänger auf dem Track dann wie dieser Künstler?
KI-Creator: Zufall.
Brother Regenerate: Natürlich.
KI-Creator: Was?
Brother Regenerate: Nichts. Ich liebe Zufälle.
KI-Creator: Angenommen, die Rechte sind geklärt. Darf ich ihn dann veröffentlichen?
Sister Copyright: Jetzt sind wir bei einer interessanteren Frage.
KI-Creator: Endlich!
Sister Copyright: Wo wollen Sie ihn veröffentlichen?
KI-Creator: Spotify. YouTube. TikTok. Überall.
Sister Copyright: Und unter welchem Namen?
KI-Creator: Unter meinem Künstlernamen.
Sister Copyright: Schön.
KI-Creator: Warum sagen Sie „schön“ so?
Sister Copyright: Weil ich noch eine Frage habe.
KI-Creator: Natürlich.
Sister Copyright: Wer ist der Urheber?
KI-Creator: Ich?
Sister Copyright: Das lässt sich nicht allein daraus ableiten, dass Sie den Song veröffentlicht haben.
KI-Creator: Aber ich habe den Song ausgesucht!
Brother Regenerate: Das ist zumindest schon einmal besser als gar nichts.
Sister Copyright: Entscheidend ist, welchen konkreten menschlichen schöpferischen Beitrag Sie geleistet haben. Bei rein KI-generierten Inhalten entsteht nicht automatisch ein urheberrechtlicher Schutz.
KI-Creator: Und wenn ich den Song danach selbst bearbeite?
Sister Copyright: Dann wird es interessant.
KI-Creator: Also darf ich ihn veröffentlichen?
Sister Copyright: Wir sind näher dran.
KI-Creator: Wie nah?
Sister Copyright: Ungefähr drei Aktenordner.
Brother Regenerate: Das ist bei ihr fast ein Kompliment.
KI-Creator: Was ist denn, wenn der Song einfach nur für mich ist? Ich lade ihn nicht hoch, sondern höre ihn auf meinem Handy.
Sister Copyright: Das ist eine andere Situation.
KI-Creator: Und wenn ich ihn auf Instagram stelle?
Sister Copyright: Wieder eine andere.
KI-Creator: Und wenn er viral geht?
Sister Copyright: Dann wird aus Ihrer Frage möglicherweise eine sehr interessante Geschäftssituation.
Brother Regenerate: Und aus vier Minuten Arbeit ein Vollzeitproblem.
KI-Creator: Ihr seid wirklich keine Hilfe.
Sister Copyright: Doch.
KI-Creator: Wie?
Sister Copyright: Wir verhindern, dass Sie morgen anrufen und sagen: „Ich habe da ein kleines Problem.“
KI-Creator: Was für ein Problem?
Brother Regenerate: Einen Hit.
Sister Copyright: Mit ungeklärten Rechten.
KI-Creator: …
Brother Regenerate: Das Gesicht kenne ich.
KI-Creator: Also, was muss ich mir merken?
Sister Copyright: Drei Dinge.
KI-Creator: Ich höre.
Sister Copyright: Erstens: Welche Rechte gibt mir mein KI-Tool?
Zweitens: Welche Bestandteile meines Songs stammen von mir und welche aus anderen Quellen?
Drittens: Darf ich das Ergebnis auf der geplanten Plattform und kommerziell nutzen?
KI-Creator: Und dann darf ich veröffentlichen?
Sister Copyright: Wenn diese Fragen geklärt sind …
KI-Creator: Ja?
Sister Copyright: … können wir darüber sprechen.
KI-Creator: Können wir nicht einfach „Ja“ sagen?
Sister Copyright: Nein.
Brother Regenerate: Aber sie hat immerhin „darüber sprechen“ gesagt.
KI-Creator: Ich nehme das als Fortschritt.
Sister Copyright: Das dürfen Sie.
Brother Regenerate: Und den Song?
Sister Copyright: Den dürfen wir uns erst einmal anhören.
KI-Creator: Endlich!
Sister Copyright: Leiser bitte.
KI-Creator: Warum?
Sister Copyright: Ich habe die Lautstärke nicht geprüft.
Brother Regenerate: Da ist sie wieder.
Darf ich einen KI-Song veröffentlichen?
Nicht automatisch. Vor einer Veröffentlichung sollten unter anderem die Nutzungsbedingungen des verwendeten KI-Dienstes, mögliche fremde Inhalte wie Samples oder Stimmen und die Frage nach den eigenen menschlichen schöpferischen Beiträgen geprüft werden. Außerdem können die Regeln der jeweiligen Plattform eine Rolle spielen.
Sister Copyright meint:
„Erst Rechte klären. Dann Release drücken.“
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