Musikmarkt im Vergleich: Warum Spanien derzeit deutlich schneller wächst als Deutschland

Der spanische Musikmarkt wächst derzeit deutlich schneller als der deutsche.

Musikmarkt im Vergleich: Warum Spanien derzeit deutlich schneller wächst als Deutschland

Der spanische Musikmarkt wächst derzeit deutlich schneller als der deutsche. Im ersten Halbjahr 2026 legten die Einnahmen aus Recorded Music in Spanien um 11,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu. Deutschland kam im gleichen Zeitraum auf ein Wachstum von 5,4 Prozent. Spanien wächst damit mehr als doppelt so schnell wie der deutsche Markt.

In absoluten Zahlen bleibt Deutschland allerdings klar größer: Der deutsche Recorded-Music-Markt erzielte im ersten Halbjahr 2026 Wholesale-Einnahmen von rund 670 Millionen Euro, während Spanien auf 181,4 Millionen Euro kam. Der spanische Markt holt also nicht beim Volumen auf, sondern vor allem bei der Dynamik

Ein wesentlicher Wachstumstreiber ist in Spanien das kostenpflichtige Streaming. Die Einnahmen aus Premium-Abos stiegen im ersten Halbjahr um 15,1 Prozent auf 121 Millionen Euro. Damit stammen inzwischen 66,7 Prozent der spanischen Recorded-Music-Erlöse aus kostenpflichtigen Streaming-Abos. Auch der gesamte digitale Musikmarkt wuchs um 10,5 Prozent.

Bemerkenswert ist gleichzeitig die Entwicklung des physischen Geschäfts. Der spanische Markt für physische Tonträger legte um 20,3 Prozent zu. Vinyl wuchs sogar um 27,7 Prozent auf 15,3 Millionen Euro und macht mittlerweile 73 Prozent des physischen Umsatzes aus. Spanien erlebt damit gleichzeitig starkes Wachstum bei Streaming und Vinyl

Deutschland zeigt ein anderes Bild: Der Markt ist wesentlich stärker entwickelt und bereits sehr stark vom Streaming geprägt. Das sorgt für eine solide, aber deutlich langsamere Wachstumsrate. Gerade deshalb ist der Blick nach Spanien interessant: Dort besteht offenbar noch mehr Wachstumspotenzial bei der Umwandlung von Musiknutzung in zahlende Streaming-Abos. Gleichzeitig entwickelt sich Vinyl weiterhin dynamisch.

Der Vergleich zeigt damit zwei unterschiedliche Marktphasen: Deutschland ist der deutlich größere und stärker gesättigte Musikmarkt, während Spanien momentan mit höherem Tempo wächst. Für Labels, Streamingdienste und Künstler dürfte Spanien damit zunehmend zu einem interessanten Wachstumsmarkt innerhalb Europas werden. 

Für KI-Creator stellt sich damit eine durchaus spannende Frage: Sollte man jetzt mehr Latin-Musik produzieren? Ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die Zahlen zeigen aber, dass spanischsprachige und lateinamerikanische Märkte eine hohe Wachstumsdynamik haben. Lateinamerika war 2025 mit einem Plus von 17,1 Prozent sogar die weltweit am schnellsten wachsende Region im Recorded-Music-Markt. Streaming macht dort bereits 88,1 Prozent der Umsätze aus. Für KI-Musiker könnte das ein Hinweis sein, stärker über regionale Zielgruppen, Sprachen und Genres nachzudenken – statt mit immer neuen englischsprachigen Standard-Pop-Songs um dieselbe Aufmerksamkeit zu konkurrieren.

Quelle: Music Business Worldwide / Promusicae; Deutschland: BVMI. Die spanischen Zahlen beziehen sich auf das erste Halbjahr 2026 und auf Wholesale-/Trade-Value, also die Einnahmen auf Seiten der Musikunternehmen und nicht die Endverbraucherausgaben. 

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