„Das ist meine Stimme!“

Der KI-Creator sitzt vor dem Mischpult und hört sich einen neuen Track an. Er ist zunächst begeistert – dann verändert sich sein Gesicht.

„Das ist meine Stimme!“

KI-Creator: Moment mal.

Brother Regenerate: Das ist normalerweise der Moment, in dem es interessant wird.

KI-Creator: Das ist meine Stimme.

Sister Copyright: Ihre?

KI-Creator: Ja! Hundert Prozent!

Brother Regenerate: Glückwunsch.

KI-Creator: Wofür?

Brother Regenerate: Sie haben einen neuen Sänger.

KI-Creator: Das ist überhaupt nicht lustig. Jemand hat meine Stimme geklont!

Sister Copyright: Wer?

KI-Creator: Keine Ahnung.

Sister Copyright: Dann wäre das meine erste Frage.

KI-Creator: Warum?

Sister Copyright: Weil „jemand“ rechtlich noch keine besonders hilfreiche Person ist.

KI-Creator: Aber wie kann jemand einfach meine Stimme nehmen?

Brother Regenerate: Deine Stimme hast du vermutlich schon ziemlich oft öffentlich benutzt.

KI-Creator: Ja. Ich bin Sänger.

Brother Regenerate: Das war jetzt vermutlich die entscheidende Information.

KI-Creator: Ich habe Songs veröffentlicht, Interviews gegeben, Videos gemacht …

Sister Copyright: Und damit existieren Aufnahmen Ihrer Stimme.

KI-Creator: Aber daraus darf doch nicht einfach jemand eine neue Stimme von mir bauen!

Sister Copyright: Das ist zumindest eine Frage, die man nicht allein mit dem Urheberrecht beantworten kann.

KI-Creator: Warum nicht?

Sister Copyright: Weil Ihre Stimme nicht einfach nur eine Tonaufnahme ist. Sie kann auch Teil Ihrer persönlichen Identität sein.

Brother Regenerate: Früher brauchte man dafür einen ziemlich guten Imitator.

KI-Creator: Und heute?

Brother Regenerate: Drei Sekunden Audio und einen Computer.

KI-Creator: Das ist nicht beruhigend.

Brother Regenerate: Sollte es auch nicht sein.

KI-Creator: Also: Wenn jemand meine Stimme ohne Erlaubnis klont, ist das verboten?

Sister Copyright: So pauschal würde ich es nicht formulieren.

KI-Creator: Natürlich nicht.

Sister Copyright: Es kommt darauf an, was genau gemacht wurde, wie die Stimme verwendet wird, ob eine Einwilligung vorliegt und welche Rechte betroffen sind.

KI-Creator: Und wenn jemand mit meiner geklonten Stimme einen Song veröffentlicht?

Sister Copyright: Dann wird es besonders interessant.

KI-Creator: Warum?

Sister Copyright: Weil möglicherweise nicht nur die Stimme betroffen ist, sondern auch die konkrete Aufnahme, die Komposition, eine Darbietung oder weitere Rechte.

Brother Regenerate: Und natürlich das Geld.

KI-Creator: Natürlich das Geld.

Brother Regenerate: Es findet dich immer.

KI-Creator: Was ist denn, wenn die KI gar nicht meine Stimme kopiert, sondern nur eine Stimme erzeugt, die mir sehr ähnlich klingt?

Sister Copyright: Das ist eine andere Frage.

KI-Creator: Wie ähnlich darf sie denn sein?

Sister Copyright: Dafür gibt es keinen praktischen Lautstärkeregler.

Brother Regenerate: „Stimme zu 73 Prozent ähnlich“ wäre aber ein schönes Geschäftsmodell.

Sister Copyright: Nein.

Brother Regenerate: Ich wollte nur helfen.

KI-Creator: Und was ist mit einem „Soundalike“?

Sister Copyright: Auch hier muss man unterscheiden. Eine bestimmte Stimme oder Identität gezielt nachzuahmen kann andere rechtliche Probleme aufwerfen als lediglich ein musikalisches Genre oder einen allgemeinen Stil zu verwenden.

KI-Creator: Also darf ich sagen: „Mach mir eine warme, tiefe Soulstimme“?

Sister Copyright: Das ist etwas anderes als: „Mach mir die Stimme von …“

Brother Regenerate: Der Unterschied zwischen Inspiration und Identitätsdiebstahl passt manchmal in einen Satz.

KI-Creator: Und manchmal in einen Gerichtsprozess.

Sister Copyright: Genau.

KI-Creator: Was soll ich denn als Musiker jetzt machen?

Sister Copyright: Erstens: Wissen, wo Ihre Stimme verwendet wird.

KI-Creator: Das ist schwierig.

Sister Copyright: Ja.

KI-Creator: Zweitens?

Sister Copyright: Verträge genau lesen. Wenn Sie Ihre Stimme für KI-Training, Voice Cloning oder digitale Reproduktionen lizenzieren, sollte klar sein, wofür, wie lange und in welchem Umfang.

KI-Creator: Und drittens?

Sister Copyright: Wenn jemand Ihre Stimme ohne Erlaubnis kommerziell verwendet: Beweise sichern und rechtlich prüfen lassen, welche Ansprüche bestehen.

Brother Regenerate: Und vielleicht vorher einmal tief durchatmen.

KI-Creator: Warum?

Brother Regenerate: Weil du sonst noch deine Wut klonst.

Sister Copyright: Das wäre dann tatsächlich neu.

KI-Creator: Eine letzte Frage.

Sister Copyright: Natürlich.

KI-Creator: Wenn ich meine eigene Stimme mit KI klone – darf ich das?

Sister Copyright: In der Regel ist das eine ganz andere Ausgangslage, wenn Sie über Ihre eigene Stimme verfügen und die entsprechenden Nutzungsbedingungen einhalten.

KI-Creator: Also darf ich mich selbst klonen?

Brother Regenerate: Endlich jemand, der sich selbst ersetzen kann.

KI-Creator: Das ist irgendwie deprimierend.

Sister Copyright: Oder effizient.

Brother Regenerate: Jetzt klingt sie schon wie eine KI.

Sister Copyright: Ich habe das gehört.

Brother Regenerate: Ich auch.

KI-Creator: Ich glaube, ich möchte meine Stimme zurück.

Sister Copyright: Gute Entscheidung.

Brother Regenerate: Und diesmal bitte mit Vertrag.


SISTER COPYRIGHT KLÄRT AUF

Darf KI meine Stimme einfach klonen?

Nicht automatisch. In Deutschland kann die Stimme Teil des allgemeinen Persönlichkeitsrechts sein. Auch die unbefugte Nutzung einer KI-geklonten Stimme kann deshalb rechtliche Ansprüche auslösen. Welche Ansprüche konkret bestehen, hängt vom Einzelfall und von der Art der Nutzung ab.

Besonders wichtig für Musiker:
Wer seine Stimme für KI-Anwendungen lizenziert, sollte genau prüfen, welche Nutzung erlaubt wird und welche nicht. Die EU diskutiert zudem weiterhin darüber, wie der Schutz von Stimme und anderen persönlichen Merkmalen im KI-Zeitalter weiterentwickelt werden soll. 

Sister Copyright:
„Meine Stimme. Mein Problem. Mein Vertrag.“

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