Wie lizenziere ich Samples?

Ein kurzer Guide für KI-Musiker und Producer

Wie lizenziere ich Samples?

Samples sind ein fester Bestandteil moderner Musikproduktion. Auch bei KI-Musik können sie eine Rolle spielen – etwa wenn ein KI-generierter Track anschließend mit Loops, Vocals oder Ausschnitten aus bestehenden Aufnahmen ergänzt wird. Doch fremdes Audiomaterial darf nicht automatisch verwendet werden.

1. Woher stammt das Sample?

Zunächst muss geklärt werden, welche Art von Sample vorliegt.

Bei einem Sample aus einem kommerziellen Sample-Pack gelten die Lizenzbedingungen des Anbieters. „Royalty-free“ bedeutet dabei nicht „gemeinfrei“, sondern in der Regel, dass bestimmte Nutzungen ohne zusätzliche laufende Lizenzzahlungen erlaubt sind.

Bei einer eigenen Aufnahme ist die Situation einfacher, sofern keine Rechte Dritter darin enthalten sind.

Stammt das Sample dagegen aus einem bereits veröffentlichten Song, müssen die entsprechenden Rechte geklärt werden.

2. Master und Komposition

Bei einem fremden Song können mindestens zwei unterschiedliche Rechte relevant sein: die Rechte an der konkreten Tonaufnahme (Master) und die Rechte an der Komposition beziehungsweise dem Text.

Wer beispielsweise einen Ausschnitt aus einer Originalaufnahme übernimmt, benötigt grundsätzlich die Erlaubnis des jeweiligen Rechteinhabers der Aufnahme. Gleichzeitig kann die verwendete musikalische Passage Rechte an der Komposition berühren.

Deshalb gilt: Ein Sample-Clearing kann mehrere Rechteinhaber erfordern.

3. Sample oder Interpolation?

Bei einem Sample wird ein Ausschnitt der ursprünglichen Aufnahme verwendet.

Bei einer Interpolation wird ein musikalisches Element – etwa eine Melodie – neu eingespielt, ohne die Originalaufnahme zu verwenden. Das kann die Rechteklärung verändern. Die Rechte an der ursprünglichen Tonaufnahme sind bei einer reinen Neuaufnahme nicht betroffen; die Rechte an der zugrunde liegenden Komposition können es aber weiterhin sein.

4. Wie bekomme ich die Lizenz?

Bei einem kommerziellen Song solltest du zunächst herausfinden, wer die Masterrechte besitzt und wer die Kompositionsrechte kontrolliert. Das können beispielsweise ein Label, ein Musikverlag oder die beteiligten Urheber selbst sein.

Anschließend wird die Nutzung mit den jeweiligen Rechteinhabern vereinbart. In der Lizenz sollte möglichst genau festgehalten werden:

  • welches Sample verwendet wird

  • in welchem Song es verwendet werden darf

  • für welche Länder und welchen Zeitraum

  • auf welchen Plattformen und in welchen Medien

  • welche Vergütung oder Beteiligung vereinbart wurde

  • ob der neue Song kommerziell ausgewertet werden darf

Für KI-Musiker kommt ein weiterer Punkt hinzu: Wenn das Sample in ein KI-System hochgeladen oder von einem solchen System weiterverarbeitet werden soll, sollte auch diese Nutzung ausdrücklich von der Lizenz gedeckt sein.

5. Was bedeutet „royalty-free“?

„Royalty-free“ ist kein Freibrief. Entscheidend sind die konkreten Lizenzbedingungen.

Prüfe insbesondere, ob kommerzielle Veröffentlichungen, Streaming, Werbung, Social Media und die Nutzung in Verbindung mit KI erlaubt sind. Ebenso kann geregelt sein, ob das Material in Content-ID-Systemen verwendet oder als Bestandteil eines neuen Sample-Packs weitergegeben werden darf.

6. Und die GEMA?

Eine GEMA-Anmeldung ersetzt nicht automatisch die erforderliche Erlaubnis für die Verwendung eines fremden Samples.

Bei Bearbeitungen oder der Nutzung geschützter Werke müssen die entsprechenden Rechte geklärt werden. Die GEMA weist darauf hin, dass Bearbeitungen entsprechend angemeldet werden müssen und hierfür gegebenenfalls die Zustimmung der Rechteinhaber erforderlich ist.

7. Die KI-Regel

KI verändert den Produktionsprozess, aber nicht automatisch die Rechte an fremdem Material.

Wenn du beispielsweise einen KI-generierten Song produzierst und anschließend ein Sample aus einem bekannten Track einbaust, wird dieses Sample nicht dadurch frei nutzbar, dass der Rest des Songs von einer KI stammt.

Umgekehrt solltest du bei lizenzierten Sample-Packs prüfen, ob die Lizenz tatsächlich die von dir geplante KI-Nutzung abdeckt.

Die wichtigste Regel lautet deshalb: Erst die Lizenz klären, dann veröffentlichen.

Was ist mit bekannten Film- und Serienmelodien?

Auch bekannte Film- und Serienmelodien dürfen nicht einfach übernommen werden, nur weil sie selbst neu eingespielt oder von einer KI erzeugt werden. Entscheidend ist die zugrunde liegende Komposition. Ist diese noch urheberrechtlich geschützt, müssen die entsprechenden Rechte geklärt werden.

Dabei ist zwischen der Originalaufnahme und der Komposition zu unterscheiden: Wer beispielsweise die Originalmusik aus einem Film verwendet, muss die Rechte an der Aufnahme klären. Wer dagegen nur die Melodie neu einspielt oder von einer KI generieren lässt, umgeht damit nicht automatisch die Rechte an der Komposition.

Ein Beispiel ist die Musik zu Vom Winde verweht: Die berühmte Filmmusik wurde von Max Steiner komponiert, der 1971 starb. Nach der in Deutschland geltenden Regelschutzfrist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers ist sein Werk grundsätzlich noch geschützt und wird erst mit Beginn des Jahres 2042 gemeinfrei.

Bei Titelmelodien von Fernsehserien gilt grundsätzlich dasselbe. Eine Melodie kann geschützt sein, auch wenn sie nur wenige Takte lang ist. Etwas anderes ist es, wenn lediglich ein allgemeiner musikalischer Stil aufgegriffen wird, ohne eine konkrete geschützte Melodie zu übernehmen.

Für KI-Musiker gilt daher: Eine bekannte Melodie bleibt rechtlich relevant, auch wenn die KI sie neu interpretiert.



Quellen

  • U.S. Copyright Office: Sampling, Interpolations, Beat Stores and More

  • U.S. Copyright Office: How Songwriters, Composers, and Performers Get Paid

  • GEMA: Bearbeitung richtig anmelden

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