Streaming-Vergütung: Was bleibt für die Creator?
Spotify, Apple Music, Amazon und YouTube stehen vor einer entscheidenden Weichenstellung: Wie viel sollen Songwriter und Musikverlage künftig an den Streaming-Einnahmen verdienen?
Die aktuellen Verhandlungen zeigen, wie unterschiedlich die Vorstellungen von Streamingplattformen und Rechteinhabern sind – mit möglichen Auswirkungen auf die gesamte Creator Economy.
Zwischen 13,4 und 20 Prozent: Die Fronten sind klar
In den USA wird derzeit darüber verhandelt, welche Vergütungssätze für die Nutzung von Songs auf Streamingdiensten zwischen 2028 und 2032 gelten sollen. Im Mittelpunkt stehen die sogenannten Mechanical Royalties – Vergütungen für die Nutzung der zugrunde liegenden musikalischen Werke, also insbesondere Kompositionen und Songtexte.
Die aktuelle Regelung sieht einen Basiswert von 15,3 Prozent der relevanten Service-Einnahmen für 2026 vor, der 2027 auf 15,35 Prozent steigt. Spotify, Apple, Google beziehungsweise YouTube und Pandora wollen dieses Niveau grundsätzlich beibehalten. Amazon fordert dagegen eine Absenkung auf 13,4 Prozent.
Die Interessenvertretungen der Songwriter und Musikverlage, die National Music Publishers’ Association (NMPA) und die Nashville Songwriters Association International (NSAI), gehen deutlich weiter: Sie fordern ein Vergütungsmodell, bei dem der jeweils höchste von vier Berechnungswerten gilt – darunter 20 Prozent der relevanten Einnahmen, 40 Prozent der Zahlungen an Plattenlabels, 2,40 US-Dollar pro Abonnent und Monat oder 0,004 US-Dollar pro Abruf.
Warum das für Creator relevant ist
Hinter diesen Zahlen steckt eine grundsätzliche Frage: Wie wird der wirtschaftliche Wert kreativer Arbeit im Streaminggeschäft verteilt?
Ein Song kann Millionen Streams erreichen. Das bedeutet jedoch nicht, dass alle Beteiligten gleichermaßen davon profitieren. Denn bei der Musikverwertung bestehen unterschiedliche Rechte und Einnahmequellen: Die Aufnahme selbst ist vom musikalischen Werk zu unterscheiden. Während Labels und ausübende Künstler an der Aufnahme verdienen können, stehen Songwritern, Komponisten und Musikverlagen eigene Vergütungsansprüche für das Werk zu.
Für Creator, die eigene Musik schreiben, komponieren oder veröffentlichen, ist diese Unterscheidung besonders wichtig. Die Höhe der Vergütungssätze, die Berechnung der Erlöse und die Zuordnung der Rechte beeinflussen, wie viel Geld aus der Nutzung ihrer Werke fließen kann.
Das Problem mit Bundles
Ein zentraler Streitpunkt sind gebündelte Abonnements. Werden Musikstreaming und weitere Leistungen – beispielsweise Hörbücher – in einem Paket angeboten, kann sich die Berechnungsgrundlage für die Vergütung verändern.
Spotify hat seine US-Premiumangebote 2024 im Zusammenhang mit der Integration von Hörbüchern als Bundles neu eingeordnet. Amazon folgte mit einem vergleichbaren Angebot. Die Musikverlagsseite kritisiert, dass solche Modelle die an Songwriter und Publisher fließenden mechanischen Vergütungen reduzieren können. Spotify und die Plattformen verteidigen dagegen die bestehenden Regelungen beziehungsweise fordern Anpassungen an der Berechnung.
Die Verhandlungen betreffen deshalb nicht nur den Prozentsatz selbst, sondern auch die Frage, welche Einnahmen überhaupt in die Berechnung einfließen und wie unterschiedliche Angebote bewertet werden.
Was bedeutet das für die Zukunft?
Noch ist keine endgültige Entscheidung gefallen. Die Parteien können ihre Positionen weiter ausarbeiten; ohne Einigung ist für 2027 ein Verfahren vor dem US Copyright Royalty Board vorgesehen. Die neuen Sätze sollen ab 1. Januar 2028 gelten.
Wichtig für Creator: Die US-Verhandlungen legen nicht automatisch fest, wie Streamingvergütungen in Deutschland oder anderen europäischen Märkten berechnet werden. Dennoch ist der Konflikt international relevant, weil er grundlegende Fragen der digitalen Musikökonomie sichtbar macht: Wer definiert den Wert kreativer Arbeit? Wie transparent sind die Abrechnungen? Und wie lässt sich sicherstellen, dass die Menschen hinter der Musik angemessen an ihrer Nutzung beteiligt werden?
Unser Fazit: Streamingzahlen allein sagen wenig über den tatsächlichen wirtschaftlichen Erfolg eines Creators aus. Entscheidend sind auch die Rechte am Werk und an der Aufnahme, die Vertragsbedingungen sowie die Regeln, nach denen Einnahmen verteilt werden. Die aktuellen US-Verhandlungen sind deshalb ein wichtiger Anlass, sich intensiver mit dem eigenen Rechteportfolio und den Vergütungsmodellen im Streaming auseinanderzusetzen.
🔗 Zum Originalartikel bei Music Business Worldwide:
https://www.musicbusinessworldwide.com/heres-exactly-what-amazon-spotify-apple-and-other-streaming-services-want-to-pay-songwriters-for-2028-2032/
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