Lunacy Nova: Diese Plattform will Plugins neu erfinden

Fünf kostenlose Instrumente gibt es zum Start – doch das eigentliche Ziel von Nova geht deutlich weiter

Lunacy Nova: Diese Plattform will Plugins neu erfinden

Ein Browser, ein DAW-Plugin und jede Menge Sounds: Lunacy startet Nova und will damit mehr als nur eine weitere Plugin-Plattform bauen. In Zukunft sollen Musiker ihre eigenen Instrumente sogar ohne Programmierkenntnisse entwickeln können.

Die Plugin-Welt bekommt Zuwachs – und diesmal geht es nicht nur um neue Synthesizer oder Effektgeräte. Der US-amerikanische Musiksoftware-Entwickler Lunacy Audio, bekannt für Instrumente und Effekte wie Cube und Beam, hat Nova gestartet. Die neue Plattform verbindet eine cloudbasierte Instrumentenbibliothek mit einem kostenlosen Host-Plugin, über das sich die Sounds direkt in der DAW nutzen lassen. Gleichzeitig können die Instrumente auch im Browser ausprobiert werden.Zum Start stehen zehn Instrumente bereit, fünf davon kostenlos. Doch das ist vermutlich nur der Anfang.

Denn Lunacy arbeitet bereits an einem deutlich größeren Konzept: einem System, mit dem Musiker künftig eigene Plugins bauen können – ohne selbst programmieren zu müssen.

Fünf Instrumente gibt es kostenlos

Nova startet mit einer Mischung aus klassischen Instrumenten, Synths und eher experimentellen Klangmaschinen. Zu den kostenlosen Instrumenten gehören:

  • Woodland Piano – ein gesampeltes Upright Piano mit integriertem Granular Delay.

  • Chiptuner – ein Synthesizer mit deutlich hörbarer 8-Bit- und Gameboy-Ästhetik.

  • Good Vibes – ein gesampeltes Vibraphon mit mehreren Velocity-Layern und Effekten.

  • Zephyr Strings – ein String-Arpeggiator auf Basis von Aufnahmen des Budapest Strings Chamber Orchestra.

  • Silhouettes – eine Kombination aus FM-Synthese und Multisamples für atmosphärische Sounds. MusicRadar+1

Damit deckt Nova bereits eine ziemlich breite Palette ab: Piano, Vintage-Sounds, akustische Instrumente, Streicher und Ambient-Klänge. Das Interessante daran ist allerdings weniger die reine Anzahl. Nova möchte die Instrumente nicht wie klassische Plugins behandeln.

Ein Plugin für viele Instrumente

Normalerweise läuft der Weg so: Plugin kaufen, installieren, Lizenz aktivieren, Plugin in der DAW öffnen. Nova dreht diesen Ablauf teilweise um.

Die Instrumente liegen in der Cloud und werden über den kostenlosen Nova Host zugänglich gemacht. Wer einen Sound ausprobieren möchte, kann ihn zunächst im Browser testen und anschließend über den Host in der eigenen DAW verwenden. Laut Lunacy funktioniert Nova auf macOS und Windows und unterstützt unter anderem AU, VST3 und AAX. 

Das erinnert ein wenig an einen Streaming-Ansatz für Plugins – allerdings mit dem entscheidenden Unterschied, dass hier nicht fertige Songs gestreamt werden, sondern Instrumente und Sounddesign-Werkzeuge. Lunacy verspricht außerdem regelmäßige neue Veröffentlichungen.

Und die Premium-Seite?

Neben den kostenlosen Instrumenten gibt es bereits kostenpflichtige Nova-Instrumente. Dazu gehören unter anderem Drift Cassette, Gleam, Growl, Anima und Swarm. Einzelne Instrumente liegen derzeit je nach Produkt bei etwa 19 bis 35 Dollar. Zum Start bietet Lunacy außerdem ein Bundle mit den fünf Premium-Instrumenten an.

Interessant: Die Premium-Instrumente stammen nicht ausschließlich von Lunacy selbst. Auf der Plattform sollen auch Instrumente von Partnern erscheinen – darunter beispielsweise Rainbow Circuit und Virtual Riot. Damit wird Nova zunehmend zu einem Marktplatz. Und genau hier beginnt der eigentlich spannende Teil.

Der große Plan: Plugins per Prompt bauen

Lunacy beschreibt Nova nicht einfach als Plugin-Sammlung. Auf der Roadmap steht ein sogenannter Nova Builder.

Die Idee: Nutzer sollen eigene Instrumente und Effekte entwickeln können, ohne dafür programmieren zu müssen. Statt Code zu schreiben, sollen Nutzer ihre Vorstellungen beschreiben, Bausteine kombinieren und bestehende Instrumente verändern können. Das könnte beispielsweise bedeuten:

„Ich möchte einen Synthesizer, der einen warmen Juno-artigen Pad-Sound mit granularen Texturen kombiniert und bei jedem Akkord leicht anders reagiert.“

Statt anschließend selbst Software zu programmieren, könnte daraus perspektivisch ein spielbares Instrument entstehen. Noch ist diese Funktion nicht vollständig verfügbar. Lunacy bezeichnet den Builder als kommenden Teil der Plattform.

Von der Plugin-Nutzung zum Plugin-Bau

Genau dieser Schritt könnte Nova von klassischen Plugin-Marktplätzen unterscheiden. Denn bisher gilt: Entwickler bauen Plugins. Musiker benutzen sie.

Nova möchte daraus perspektivisch machen: Musiker bauen Plugins, teilen sie und andere Musiker entwickeln sie weiter.

Lunacy spricht selbst davon, Instrumente erstellen, teilen, verändern und neu interpretieren zu können. Geplant ist außerdem, eigene Kreationen später über den Nova Marketplace anzubieten. Das wäre ein ziemlich grundlegender Wechsel. Ein Produzent müsste dann nicht mehr darauf warten, dass ein Entwickler genau das Instrument baut, das er gerade im Kopf hat. Er könnte versuchen, es selbst zu bauen.

Ein bisschen GitHub für Plugins?

Der Vergleich liegt nahe: Nova könnte sich langfristig in Richtung einer kreativen Community-Plattform entwickeln. Lunacy beschreibt bereits heute Funktionen wie das Teilen und Weiterentwickeln von Instrumenten. Auf der Plattform sollen Nutzer künftig eigene Kreationen veröffentlichen und andere Nutzer diese wiederum verändern oder weiterentwickeln können. Das erinnert konzeptionell an Open-Source-Software – nur eben für Musikinstrumente.

Ein Nutzer erstellt beispielsweise einen Synth. Ein anderer verändert die Oszillatoren.

Ein dritter ergänzt Effekte. Ein vierter macht daraus ein Instrument für Ambient-Musik.

Und irgendwann könnte daraus ein komplett neues Plugin entstehen. Noch ist das Zukunftsmusik. Aber genau diese Richtung macht Nova interessant.

KI steckt ebenfalls im Konzept

Nova ist dabei nicht nur eine neue Oberfläche für klassische Samples und Synthese. Lunacy bezeichnet Nova ausdrücklich als AI-powered platform. Die geplanten Funktionen sollen unter anderem ermöglichen, Instrumente über natürliche Sprache zu erstellen und zu verändern. Damit verschiebt sich auch die Rolle von KI in der Musikproduktion. Bei vielen aktuellen KI-Tools lautet die Idee: „Beschreibe die Musik – die KI erzeugt das Ergebnis.“

Nova verfolgt einen anderen Ansatz: „Beschreibe das Werkzeug – und die KI hilft dir, es zu bauen.“

Das ist ein wichtiger Unterschied. Die KI produziert hier nicht zwingend den fertigen Song. Sie könnte stattdessen dabei helfen, das Instrument zu erschaffen, mit dem der Musiker anschließend selbst Musik macht.

Browser trifft DAW

Ein weiterer interessanter Punkt ist die Verbindung zwischen Browser und klassischer Musikproduktion. Nova-Instrumente können laut Lunacy zunächst im Browser ausprobiert und anschließend über den Host in der DAW genutzt werden. Das senkt die Einstiegshürde. Wer einen Sound interessant findet, muss nicht erst eine Demo installieren, einen Lizenzmanager öffnen und mehrere Gigabyte an Samples herunterladen. Die Grundidee lautet:

Ausprobieren → spielen → in die DAW übernehmen.

Gerade für Musiker, die regelmäßig neue Sounds ausprobieren, könnte dieses Modell interessant werden.

Aber: Cloud bedeutet auch Abhängigkeit

So praktisch das System klingt, bringt der Cloud-Ansatz natürlich eine neue Abhängigkeit mit sich. Nova benötigt für Download und Aktivierung laut Lunacy eine stabile Internetverbindung. Das ist kein völlig neues Konzept. Viele moderne Musiksoftware-Produkte setzen inzwischen auf Online-Aktivierung oder Cloud-Dienste. Trotzdem verändert sich damit das Verhältnis zwischen Musiker und Plugin. Bei einem klassischen Plugin besitzt man zumindest eine lokal installierte Software. Bei einer Plattform wie Nova wird der Zugang stärker an einen laufenden Dienst gekoppelt.

Das kann komfortabel sein – gleichzeitig stellt sich langfristig die Frage, was mit den eigenen Instrumenten und Projekten passiert, wenn sich Geschäftsmodelle oder Plattformbedingungen ändern.

Die spannendste Frage kommt erst noch

Nova ist zum Start vor allem eine neue Plattform für Instrumente. Das eigentlich Interessante liegt aber in dem, was Lunacy daraus machen möchte. Wenn der angekündigte Builder funktioniert, könnte die Grenze zwischen Plugin-Entwickler und Plugin-Nutzer zunehmend verschwimmen. Dann wäre ein Musiker nicht mehr nur Konsument von Software. Er könnte gleichzeitig Entwickler, Sounddesigner und Anbieter werden.

Und genau das könnte eine neue Art von Musiksoftware hervorbringen: Werkzeuge, die nicht jahrelang von einem festen Entwicklerteam gebaut werden, sondern sich innerhalb einer Community ständig verändern. Lunacy nennt das eine Art lebendige Welt von Instrumenten und Effekten. Ob Nova dieses Versprechen einlösen kann, muss sich erst zeigen. Aber schon der Start macht deutlich: Hier geht es nicht nur um fünf kostenlose Plugins.

Es geht um die Idee, dass Musiker irgendwann ihre eigenen Werkzeuge bauen können – vielleicht nur mit einer Beschreibung, ein paar Soundvorstellungen und etwas Experimentierfreude. Und wenn das tatsächlich funktioniert, könnte die nächste Generation von Musiksoftware weniger danach fragen, welches Plugin du gekauft hast.

Sondern: Welches Plugin hast du selbst gebaut?

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