Nach Warner und BMG: Zieht Universal bei Suno nach?
Suno baut sein Geschäftsmodell um und schließt Lizenzvereinbarungen mit Rechteinhabern. Nach Warner Music und BMG bleibt allerdings ausgerechnet Universal Music Group außen vor. Ein Deal zwischen den beiden Unternehmen ist derzeit nicht in Sicht – doch die Voraussetzungen dafür könnten sich verändern.
Suno baut sein Geschäftsmodell um und schließt Lizenzvereinbarungen mit Rechteinhabern. Nach Warner Music und BMG bleibt allerdings ausgerechnet Universal Music Group außen vor. Ein Deal zwischen den beiden Unternehmen ist derzeit nicht in Sicht – doch die Voraussetzungen dafür könnten sich verändern.
Die Entwicklung bei Suno nimmt in diesem Sommer deutlich an Fahrt auf. Der KI-Musikdienst hat innerhalb weniger Monate begonnen, sein bisheriges Geschäftsmodell grundlegend umzubauen: neue, gemeinsam mit der Musikindustrie entwickelte Modelle, Einschränkungen beim Download von Songs, technische Verfahren zur Kennzeichnung von KI-Musik und inzwischen auch Lizenzvereinbarungen mit etablierten Rechteinhabern.
Im November 2025 hatte zunächst Warner Music Group eine Vereinbarung mit Suno geschlossen. Die Einigung beendete den Rechtsstreit zwischen beiden Unternehmen und sieht gleichzeitig eine Zusammenarbeit bei einer neuen Generation lizenzierter Suno-Modelle vor. Im August 2026 folgte BMG mit einer globalen Lizenzvereinbarung über das Recorded-Music- und Musikverlagsrepertoire. BMG-Künstler und Songwriter können sich dabei an dem Modell beteiligen; ihre Rechte sollen geschützt und sie für die Nutzung ihrer Musik vergütet werden.
Damit entsteht zunehmend ein neues Muster in der KI-Musikbranche: Statt ausschließlich gegen KI-Anbieter vorzugehen, beginnen Rechteinhaber, mit ihnen über Lizenzierung, Vergütung und kontrollierte Nutzung ihrer Kataloge zu verhandeln.
Universal Music Group geht bei Suno bislang einen anderen Weg.
Universal und Suno bleiben vor Gericht
UMG gehört zusammen mit Sony Music weiterhin zu den Klägern im US-Rechtsstreit gegen Suno. Die beiden Unternehmen werfen dem KI-Anbieter vor, urheberrechtlich geschützte Aufnahmen ohne entsprechende Lizenz für das Training seiner Modelle verwendet zu haben.
Im Juni 2026 versuchten Universal und Sony, den Umfang des Verfahrens erheblich auszuweiten. Sie wollten mehr als 61.000 Aufnahmen in die Klage aufnehmen. Suno wehrte sich dagegen und argumentierte unter anderem, die Labels hätten ihren Antrag zu spät gestellt. Der Rechtsstreit ist damit weiterhin ein wesentlicher Teil der Beziehung zwischen Universal und Suno.
Noch im April berichtete Music Business Worldwide unter Berufung auf die Financial Times, dass die Lizenzgespräche zwischen Universal und Suno ins Stocken geraten seien. Aus dem Umfeld der Verhandlungen hieß es damals, es gebe zwar weiterhin Gespräche, mit dem damaligen Vorschlag aber keinen Weg nach vorn. Auch die Gespräche zwischen Sony und Suno galten zu diesem Zeitpunkt als festgefahren.
Seitdem hat sich an diesem grundlegenden Verhältnis offenbar nichts geändert. Universal und Suno befinden sich weiterhin in einem laufenden Rechtsstreit; eine neue Lizenzvereinbarung wurde bislang nicht bekannt gegeben.
Warner sieht die Sache grundlegend anders
Interessant ist deshalb die Position von Warner-CEO Robert Kyncl. Nachdem Warner Music bereits mit Suno eine Vereinbarung getroffen hatte und BMG im August nachzog, verteidigte Kyncl seine Entscheidung erneut öffentlich.
In einem Gespräch mit Semafor erklärte Kyncl Mitte August, dass er einen erfolgreichen KI-Dienst, der bereit sei, auf ein lizenziertes Modell umzusteigen, grundsätzlich nicht bekämpfen, sondern einbinden wolle. Sinngemäß lautet seine Position: Wenn ein KI-Dienst bereits ein Publikum aufgebaut hat und bereit ist, „legal“ zu werden, sollte die Musikindustrie diese Entwicklung annehmen.
Damit ist innerhalb der Musikbranche ein bemerkenswerter Unterschied sichtbar. Warner und BMG setzen bei Suno inzwischen auf Lizenzierung und Beteiligung. Universal und Sony halten dagegen weiterhin an ihren rechtlichen Ansprüchen fest.
Universal ist bei KI trotzdem längst auf Partnersuche
Das bedeutet allerdings nicht, dass Universal grundsätzlich gegen lizenzierte KI-Musik ist.
Im Gegenteil: UMG hat bereits mehrere Vereinbarungen mit Unternehmen aus dem KI-Bereich geschlossen. Besonders deutlich wurde die Strategie im Fall von Udio. Universal beendete im Oktober 2025 seinen Rechtsstreit mit dem Suno-Konkurrenten und vereinbarte gleichzeitig die Entwicklung einer neuen lizenzierten KI-Musikplattform.
Ein zentraler Bestandteil des von Universal propagierten Modells ist dabei der sogenannte „walled garden“. KI-generierte Musik soll innerhalb einer kontrollierten Umgebung entstehen und nicht einfach außerhalb dieser Plattform mit den Originalkünstlern und ihren Aufnahmen konkurrieren können. Genau dieses Modell unterscheidet sich von Sunos bisherigem Ansatz, bei dem Nutzer ihre generierten Songs herunterladen und weiterverwenden können.
Auch in diesem Monat hat Universal seine Strategie weiter ausgebaut: Am 19. August gab das Unternehmen eine Partnerschaft mit Hook bekannt, einer KI-gestützten Remix- und Mashup-Plattform. Nutzer können dort lizenzierte Aufnahmen von UMG-Künstlern bearbeiten und die Ergebnisse in sozialen Netzwerken teilen. Die Rechteinhaber sollen an der Nutzung beteiligt werden.
Universal verschließt sich der KI also keineswegs. Der Konzern versucht vielmehr, Kontrolle, Zustimmung und Vergütung zum Bestandteil solcher Angebote zu machen.
Genau hier liegt das Problem mit Suno
Suno hat sich inzwischen ebenfalls deutlich in diese Richtung bewegt. Das Unternehmen kündigte im August eine neue Generation von Musikmodellen an, die gemeinsam mit Partnern aus der Musikindustrie entwickelt werden soll. Gleichzeitig wurden die Downloadmöglichkeiten für Nutzer eingeschränkt.
Ab September sollen beispielsweise Pro-Abonnenten nur noch 20 Songs pro Monat herunterladen können, Premier-Abonnenten 60. Suno begründet die Beschränkungen unter anderem damit, dass verhindert werden soll, dass Nutzer große Mengen KI-Musik erzeugen und massenhaft exportieren. Zusätzlich arbeitet Suno an Wasserzeichen und Audio-Fingerprinting, um generierte Inhalte besser identifizieren zu können.
Das sind genau die Arten von Kontrollmechanismen, die einen zukünftigen Lizenzdeal für große Rechteinhaber grundsätzlich attraktiver machen könnten.
Doch bei Universal kommt ein entscheidender Punkt hinzu: Die Vergangenheit der Trainingsdaten ist noch nicht geklärt.
Ein zukünftiger Deal ist möglich – aber noch nicht absehbar
Dass Universal irgendwann mit Suno zusammenarbeiten könnte, ist deshalb keineswegs ausgeschlossen. Die jüngsten Entwicklungen bei Suno zeigen, dass das Unternehmen bereit ist, sein Modell deutlich stärker an den Vorstellungen der Musikindustrie auszurichten.
Auch der Warner-Deal und die BMG-Vereinbarung zeigen, dass Suno inzwischen bereit ist, mit Rechteinhabern über Lizenzen, Vergütung und neue Modelle zu arbeiten.
Eine wichtige Hürde bleibt jedoch der laufende Rechtsstreit mit Universal und Sony. Im Verfahren geht es unter anderem um die Frage, welche Aufnahmen Suno für das Training seiner Modelle verwendet hat und ob diese Nutzung ohne Lizenz zulässig war. Universal und Sony haben dabei sogar versucht, mehr als 61.000 weitere Aufnahmen in das Verfahren einzubeziehen.
Hinzu kommt ein weiterer interessanter Punkt: Suno hat seinen Kurs zwar verändert, aber nicht vollständig nach dem von Universal favorisierten „walled garden“-Modell. Suno erlaubt weiterhin Downloads – wenn auch künftig deutlich eingeschränkter. Universal könnte deshalb Bedingungen verlangen, die über die bisherigen Vereinbarungen mit anderen Rechteinhabern hinausgehen.
Universal könnte zum entscheidenden Testfall werden
Für Suno wäre ein Deal mit Universal ein wichtiger Schritt. Warner und BMG sind bereits an Bord, während Universal einer der weltweit größten Musikrechteinhaber ist. Eine Einigung mit UMG würde daher nicht nur zusätzliche Katalogrechte bringen, sondern auch ein starkes Signal an die gesamte Musikindustrie senden.
Für Universal wiederum könnte ein solcher Schritt bedeuten, einen Teil der Kontrolle über die Entwicklung generativer Musik zu gewinnen, anstatt Suno ausschließlich über den Rechtsweg zu begegnen.
Stand 25. August 2026 gibt es allerdings keinen bestätigten Deal und keinen belastbaren Hinweis darauf, dass eine Einigung unmittelbar bevorsteht. Die zuletzt dokumentierte Lage ist vielmehr: Universal und Suno streiten weiterhin vor Gericht, während Suno parallel sein Geschäftsmodell auf lizenzierte Musikmodelle ausrichtet.
Damit bleibt Universal derzeit der große fehlende Name in Sunos neuem Lizenzmodell.
Sollte es irgendwann zu einer Einigung kommen, wäre sie deshalb mehr als nur ein weiterer Musiklizenzvertrag. Sie könnte zeigen, ob sich der von Warner und BMG eingeschlagene Weg tatsächlich zum neuen Standard für KI-Musik entwickelt – oder ob Universal ein deutlich anderes Modell durchsetzen kann.
Quellen
Music Business Worldwide: „Suno inks global licensing deal with BMG“ – 12. August 2026.
Music Business Worldwide: „Robert Kyncl justifies Suno deal…“ – 17. August 2026.
Music Business Worldwide: „Suno’s licensing talks with major labels in limbo with ‘no path forward’“ – 9. April 2026.
Music Business Worldwide: „Suno asks court to block UMG and Sony from expanding copyright lawsuit to over 61,000 recordings“ – 8. Juni 2026.
Music Business Worldwide: „Universal and Suno are in a PR battle over ‘walled gardens’ in AI music“ – 3. Februar 2026.
Music Business Worldwide: „Universal Music Group partners with Hook to license fan-created content“ – 19. August 2026.
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