KI-Musik bekommt ein Frühwarnsystem

KI-generierte Musik soll künftig möglichst erkannt werden, bevor sie überhaupt bei Spotify, Apple Music & Co. landet. Der Musikvertrieb Paradise Worldwide arbeitet dafür mit dem Berliner Music-Intelligence-Unternehmen Cyanite zusammen.

KI-Musik bekommt ein Frühwarnsystem

Die Kooperation entsteht im Rahmen des Berlin AI Think Tank und setzt bei der Musikdistribution an – also genau an der Stelle, bevor ein Track an digitale Musikdienste ausgeliefert wird.

Die Idee dahinter ist einfach: Wird ein Stück bei der Anlieferung als ganz oder teilweise KI-generiert erkannt, sollen Streamingplattformen diese Information als zusätzliche Entscheidungsgrundlage erhalten. Sie könnten dann selbst entscheiden, ob und wie der Titel entsprechend gekennzeichnet wird. Paradise will die entsprechenden Prüfungen nach eigenen Angaben künftig auf Vertriebsebene durchführen, soweit dies technisch zuverlässig möglichbeitet worden sein, dass die ursprünglichen Spuren kaum noch eindeutig feststellbar sind. Die Technologie soll deshalb vor allem ein zusätzliches Signal liefern – ist.

Damit verschiebt sich die Kontrolle über KI-Musik ein Stück nach vorne. Bisher stellt sich die Frage häufig erst auf der Plattform: Ist dieser Song von einem Menschen geschaffen, mit KI produziert oder vollständig generiert? Paradise und Cyanite wollen die Antwort möglichst schon kennen, bevor der Song überhaupt im Streamingkatalog landet.

Ganz einfach ist das allerdings nicht. KI-Musik lässt sich nicht in jedem Fall eindeutig erkennen. Ein Track kann teilweise mit generativen Werkzeugen entstanden oder anschließend so stark bearbeitet worden sein, dass die ursprünglichen Spuren kaum noch eindeutig feststellbar sind. Die Technologie soll deshalb vor allem ein zusätzliches Signal liefern – keine unfehlbare Wahrheit.

Hinter der Initiative steht ein größeres Vorhaben des Berlin AI Think Tank. Neben der Erkennung geht es auch um die Frage, welchen kreativen Anteil Menschen und KI an einem Musikstück haben und wie sich daraus Rechte und Vergütungen ableiten lassen. Ein entsprechendes Modell soll dabei helfen, kreative Beiträge zu bewerten und zuzuordnen.

Das ist ein entscheidender Punkt: Die Kennzeichnung „KI-generiert“ löst noch kein einziges Rechteproblem. Sie kann zunächst vor allem Transparenz schaffen.

Für die Musikbranche könnte genau das aber zunehmend wichtig werden. Wenn künftig immer mehr Tracks automatisiert entstehen und über digitale Vertriebe in die Streamingwelt gelangen, reicht es möglicherweise nicht mehr, erst bei Spotify & Co. nachträglich aufzuräumen. Die Kontrolle beginnt dann schon an der Eingangstür. Das Frühwarnsystem kommt also nicht, weil KI-Musik verschwinden soll.

Es kommt, weil sie bleiben wird.

(Quelle: MusikWoche)

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